COVID-19: Maßnahmen sollten bald Wirkung zeigen

13.03.2020

Simulationsmodelle über Epidemieausbreitung angepasst, um aktuellen Maßnahmen zu berücksichtigen

Drastische Maßnahmen wurden ergriffen: Ab Montag findet in Österreichs Schulen kein Unterricht mehr statt. Außerdem wird dazu aufgerufen, die Zahl der Mensch-zu-Mensch-Kontakte zu reduzieren. Die neusten Berechnungen der Epidemiesimulation zeigen wie sich diese Maßnahmen auswirken werden. Die Ergebnisse lassen hoffen: Laut den aktuellsten Berechnungen sollte es durch Schulschließungen und Reduktion der Kontakte besonders für ältere Menschen möglich sein, die Ausbreitung von COVID-19 deutlich einzubremsen. Laut dem Modell sollten erste Auswirkungen – wenn die Einschränkung der Kontakte auch wirklich umgesetzt wird – bereits Ende nächster Woche zu sehen sein. Die Zahl der Neuinfizierten wird trotzdem weiter ansteigen, aber in weitaus geringerem Maße als in den bisher verbreiteten Hochrechnungen.

Schulschließung und Halbierung der Kontakte für über 65-jährige

„Wir haben aktuell die zwei sichtbarsten Maßnahmen simuliert: Die Schulschließungen und eine Kontaktreduktion bei besonders gefährdeten Personen. Das hat bei uns oberste Priorität, da beides gerade umgesetzt wird“, sagt Niki Popper.

Die Schulschließungen werden zu einer Reduktion zwischenmenschlicher Kontakte um etwa 10% in der Gesamtbevölkerung führen. Wenn man annimmt, dass Menschen über 65 ihre Kontakte in der Freizeit um die Hälfte reduzieren, geht die Gesamtzahl der Kontakte in der Gesamtbevölkerung um weitere 8% nach unten. „Das reduziert den Peak, also die Maximalzahl an Personen, die gleichzeitig krank sein werden, bereits um 40 %. Und was noch wichtiger ist: Die Maximalanzahl der gleichzeitigen schweren Fälle insgesamt reduziert sich laut unserem Modell dadurch sogar um 55 % – auf 45 % des ursprünglichen Wertes, den wir ohne diese Maßnahmen hätten. Der Grund ist, dass besonders viele Menschen aus der Risikogruppe sich in diesem simulierten Fall nicht anstecken.“, sagt Popper.

Einbremsen des Wachstums möglicherweise schon nächste Woche spürbar

Wenn man alle nun getroffenen Maßnahmen in der Simulation berücksichtigt, dann zeigt sich: Bereits Ende nächster Woche könnten die Auswirkungen spürbar werden. Derzeit verdoppelt sich die Zahl der Erkrankungen etwa alle 2,5 Tage. „Diese Verdopplungszeit wird sich unseren Berechnungen nach verlängern, wir gehen aktuell davon aus, dass die Verdopplungszeit zumindest auf 5-6 Tage gebremst werden kann. Aber wirklich nur wenn die Kontakte auch wirklich reduziert werden“, erklärt Popper. Die Zahl der Erkrankten wird auch weiterhin noch steigen, allerdings weniger rasch – und das wird es unserem Gesundheitssystem deutlich einfacher machen, damit umzugehen.

„Die Kontakte wirklich zu reduzieren und sich an die Maßnahmen zu halten ist der entscheidende Faktor“, betont Niki Popper. „Unsere Rechnungen können nur dann die Realität abbilden, wenn die angenommenen Effekte auch tatsächlich umgesetzt werden.“

Ergänzung (14.3.2020): Modellannahmen und Datenlage

Das Szenario für Schulschließungen geht davon aus, dass Kinder von 6 bis 14 nicht mehr bzw. nur ein geringer Teil von ihnen in die Schule gehen. In der Gruppe der 14 bis 18-Jährigen reduzieren auch alle Schüler (nicht Arbeitende) ihre Kontakte.

Für die Generation 65+ haben wir in der Berechnung nur die Freizeitkontakte um 50% reduziert. Das ist wichtig, da wir gerade für Menschen mit Pflegebedarf sicherstellen müssen, dass nicht ein „zu viel“ an Maßnahmen, die Pflege, soziale Betreuung und Interaktion gefährdet.

Mit dieser Beteiligung der Menschen zeigt sich in der Simulation ein erster positiver Effekt, schon Ende nächster Woche. Die tägliche Steigerung der Neuerkrankungen sinkt von 40% auf 20% und dann weiter. Im weiteren Verlauf kommt es dann dazu, dass die Neuerkrankungen nicht mehr steigen und schließlich sogar sinken; wann genau dies eintritt ist heute (Samstag, 14.3.) noch nicht abzuschätzen.

Bitte immer beachten: alle Simulationen, Modelle und Berechnungen, und somit natürlich auch unsere, basieren auf vielen, teilweise unsicheren Daten und Annahmen. Wir versuchen diese hier so gut es geht zu dokumentieren (siehe „Anmerkung“ unten). Die Ergebnisse sind daher nicht als Absolutzahlen zu lesen, sondern helfen uns, und unseren Partnern, dabei Effekte und Größenordnungen einzuschätzen.

Anmerkung: Das verwendete Simulationsmodell basiert auf dem vielfältig einsetzbaren Simulationsmodell GEPOC (Generic Population Concept), welches von uns, im Rahmen von Dexhelpp, gemeinsam mit der TU Wien entwickelt wurde. Eine genaue Beschreibung dieses Simulationsmodelles findet sich in diesem Paper.

Eine Beschreibung der für die Simulation der COVID-19 Epidemie notwendigen Erweiterungen, sowie der dafür berücksichtigten Daten und Informationen, findet sich hier zu Download (PDF).